EuroWire , LONDON: Die britische Regierung wird den Zugang zu sozialen Medien für Kinder unter 16 Jahren einschränken. Dies gaben Minister bekannt, nachdem der Gesetzentwurf zum Wohlergehen von Kindern und Schulen nach wochenlangen Debatten über ein direktes Verbot nun die letzten parlamentarischen Hürden genommen hat. Die Regierung hat das endgültige Modell noch nicht festgelegt, sich aber zu alters- oder funktionsbasierten Beschränkungen verpflichtet und den Abgeordneten mitgeteilt, dass es nun nicht mehr darum gehe, ob, sondern wie gehandelt werde.

Die Frage wurde in beiden Parlamentskammern kontrovers diskutiert. Mitglieder des Oberhauses befürworteten Änderungsanträge, die regulierte Nutzer-zu-Nutzer-Dienste verpflichtet hätten, den Zugang für Minderjährige unter 16 Jahren innerhalb von zwölf Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes zu unterbinden. Die Minister lehnten es ab, eine pauschale Altersgrenze direkt in den Gesetzentwurf aufzunehmen, da die öffentliche Konsultation abgeschlossen sein müsse, bevor eine endgültige Altersgrenze und ein Durchsetzungskonzept festgelegt würden. Stand Dienstag befand sich der Gesetzentwurf weiterhin in der Beratung über mögliche Änderungsanträge, während das Parlament an der endgültigen Fassung arbeitete.
Die von der Regierung selbst eingebrachten Änderungen würden dem Staatssekretär die Befugnis geben, Internetdienste zu verpflichten, den Zugang von Kindern zu ganzen Diensten oder zu bestimmten Funktionen einzuschränken oder zu verhindern. Die Entwürfe sehen außerdem Regelungen vor, die die tägliche Nutzungsdauer und die Zugriffszeiten für Kinder begrenzen. Sie verpflichten die Minister zudem, dem Parlament innerhalb von sechs Monaten Bericht zu erstatten, falls die ersten Regelungen noch nicht erlassen wurden.
Großbritannien ebnet den Weg für Beschränkungen für unter 16-Jährige
Die vom Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie am 2. März eröffnete Konsultation endet am 26. Mai um 23:59 Uhr. Sie bittet um Stellungnahmen zur Festlegung eines Mindestalters für soziale Medien, zur Deaktivierung von Designfunktionen wie unendlichem Scrollen und Autoplay, zur Stärkung der Altersverifizierung sowie zur Einführung von Beschränkungen für Spieleplattformen und KI-Chatbots. Minister teilten dem Oberhaus diese Woche mit, dass bereits über 55.000 Antworten von Bürgern und Interessengruppen eingegangen seien.
Die Regierung hat zudem ein sechswöchiges Pilotprojekt in 300 Teenagerhaushalten in ganz Großbritannien gestartet, um die praktische Wirksamkeit verschiedener Beschränkungen zu testen. Der Test umfasst die vollständige Sperrung von Apps, ein einstündiges tägliches Nutzungslimit, eine Social-Media-Sperrstunde von 21:00 bis 7:00 Uhr sowie eine Kontrollgruppe. Laut Regierungsangaben soll das Pilotprojekt die Auswirkungen auf Schlaf, Familienleben und Schulleistungen messen und gleichzeitig praktische Probleme wie von Teenagern angewandte Umgehungsstrategien und die Einrichtung von Kindersicherungen durch Familien aufdecken.
Ofcom erhöht den Druck auf die Plattform
Ofcom übt bereits im Rahmen des Online-Sicherheitsgesetzes regulatorischen Druck aus. Am 12. März forderte die Regulierungsbehörde Facebook, Instagram, Roblox, Snapchat, TikTok und YouTube auf, ihre Mindestalterregeln durch hochwirksame Alterskontrollen durchzusetzen und bis Ende April zu erläutern, welche weiteren Maßnahmen sie zum Schutz von Kindern ergreifen werden. Ofcom kündigte an, im Mai über die Antworten der Unternehmen zu berichten und alle sich daraus ergebenden weiteren regulatorischen Maßnahmen bekannt zu geben.
Die Minister haben angekündigt, bis zum Sommer auf die Konsultation zu reagieren. Der dem Parlament vorliegende Gesetzesentwurf sieht vor, Altersgrenzen und Nutzungsbeschränkungen in nachgeordneten Rechtsvorschriften festzulegen. Aktuell steht fest, dass die Regierung neue Beschränkungen für die Nutzung sozialer Medien und verwandter Online-Dienste durch unter 16-Jährige beschlossen hat. Der genaue Umfang dieser Beschränkungen wird jedoch erst nach Abschluss der Konsultation und der Verabschiedung des Gesetzes durch das Parlament festgelegt.
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